Kiel: Lebenswiese für Reerdigung auf dem Friedhof Eichhof

Kirchenkreis Altholstein und MEINE ERDE vertiefen ihre Zusammenarbeit

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Kiel, 26. Februar 2026 – Auf dem Kieler Parkfriedhof Eichhof entsteht eine Lebenswiese für die Bestattungsform der Reerdigung. Auf dieser von Bäumen gesäumten, naturnah belassenen Grabfläche finden Menschen ihre letzte Ruhe, nachdem ihr Körper zuvor durch Reerdigung zu neuer Erde geworden ist. Auf den Reerdigungsgrabstellen können erstmals sogenannte Erinnerungsbäume gepflanzt werden, die nach einigen Monaten an die Angehörigen übergeben werden. 

Bereits 2023 hat MEINE ERDE in den Räumen der Kapelle des Eichhofs das zweite Alvarium Deutschlands eingerichtet. In mehreren Kokons werden Verstorbene dort in einem natürlichen Prozess zu Erde. Mit der Lebenswiese existiert nun auch ein besonderer, dauerhafter Bereich auf dem Parkfriedhof für die Beisetzung dieser neuen Erde. Damit vertiefen der Ev.-Luth. Kirchenkreis Altholstein und der Reerdigungsanbieter MEINE ERDE ihre seit drei Jahren bestehende Zusammenarbeit.

Die Fläche wird als ökologisch wertvolle und biodiversitätsfreundliche Langgras- und Wildblumenwiese gepflegt und nur zweimal im Jahr gemäht. Eine erste Lebenswiese für die Reerdigung entstand 2025 in Warsow bei Schwerin und hat sich als Erfolgsmodell der Friedhofsgestaltung erwiesen. Die Lebenswiese auf dem Parkfriedhof Eichhof wird die erste in Schleswig-Holstein und am Standort eines Alvariums sein. Die Weiterentwicklung fällt in eine Phase, in der nach einer erfolgreichen gesetzlichen Erprobung die dauerhafte Verankerung der neuen Bestattungsform in Schleswig-Holstein diskutiert wird.

Zusätzlich zur Grabstelle auf der Lebenswiese können Angehörige das Angebot eines klimaresilienten Erinnerungsbaums wählen. Der Baum oder Strauch – Blumenesche, Herzbaum, Walnuss, Felsenbirne, Französischer Ahorn oder Scharlach-Eiche – wird in einem textilen Pflanztopf aus recyceltem Material auf das Reerdigungsgrab gepflanzt.

Der Baum verbleibt dort sechs bis zwölf Monate, wird im darauffolgenden Spätherbst entnommen und an die Angehörigen weitergegeben. So kann er an einem persönlichen Wunschort in Deutschland weiterwachsen. Die Grabstelle auf der Lebenswiese bleibt bestehen, und der Erinnerungsbaum ist ausschließlich in Verbindung mit einer Beisetzung dort möglich.

Dieses Erinnerungsbaum-Modell ist in Deutschland einzigartig: Der Baum wird im Pflanztopf in die neue Erde aus einer Reerdigung gepflanzt. Er wächst auf einer Reerdigungsgrabstelle innerhalb bestehender Friedhofsstrukturen. Im Gegensatz zu anderen Erinnerungsbaum-Modellen ist keine Überführung von Asche ins Ausland erforderlich – der gesamte Prozess findet in Deutschland und im Einklang mit der Friedhofspflicht statt.

Stimmen zur Zusammenarbeit

Almut Witt, Pröpstin des Ev.-Luth. Kirchenkreises Altholstein:

„Ich freue mich, dass wir auf einem unserer Friedhöfe das Angebot einer Lebenswiese machen können. Diese naturnahe Bestattungsform passt in unsere Zeit. Viele Menschen suchen für ihre Angehörigen einen Ort, der pflegeleicht und würdevoll zugleich ist. Im Tod das Leben im Blick haben, passt zu unserer Aufgabe, die Schöpfung Gottes zu bewahren. Die Lebenswiese kann ihren Teil dazu beitragen.“

Pablo Metz, Co-Gründer von MEINE ERDE:

„Der Kirchenkreis Altholstein hat sich früh und mit großer Sorgfalt für neue Wege geöffnet. Dieses Vertrauen trägt unsere Zusammenarbeit. Mit der Lebenswiese entsteht in Kiel ein Rahmen für Menschen, die sich eine naturnahe Bestattungsform und eine entsprechende Ruhestätte wünschen. Der Erinnerungsbaum eröffnet darüber hinaus die Möglichkeit eines persönlichen Gedenkortes.“

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Informationen zur Lebenswiese:
www.meine-erde.de/magazin/lebenswiese-trauerkultur-und-artenvielfalt 

Informationen zum Angebot des Erinnerungsbaums:
www.meine-erde.de/mein-baum 

Hintergrund zur Reerdigung:

Die neue Bestattungsform Reerdigung wird seit 2022 in Schleswig-Holstein angeboten, seit 2024 im Rahmen einer gesetzlichen Erprobungsphase an zwei Standorten, in Mölln und in Kiel. Die Beisetzung der neuen Erde ist grundsätzlich auf allen Friedhöfen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern möglich.

Im Sozialausschuss des Landtags Schleswig-Holstein zog Gesundheits- und Justizministerin Kerstin von der Decken (CDU) im September 2025 eine positive Bilanz der Erprobungsphase. Abgeordnete sprachen sich für eine dauerhafte gesetzliche Verankerung der Reerdigung in Schleswig-Holstein aus.

Die Friedhofs- und Grabkosten für eine Grabstelle auf der Lebenswiese umfassen 1.250 Euro (inkl. MwSt.), Pflegekosten inbegriffen.

Pressekontakte: 

MEINE ERDE:
Olga Perov, presse@meine-erde.de, Tel.: 030 209 655 888 -4

Kirchenkreis Altholstein:
Jürgen Schindler, juergen.schindler@altholstein.de, Tel.: 0431 2402 607